Mehr als nur eine Bücherei – Besuch in der Stadtbibliothek Bad Ems

Kommunalpolitik steht oft für Geldnot und andere Sorgen, dennoch bereitet sie mir deutlich mehr Lust als Frust!

Wieso? Weil man ständig auf Menschen trifft, die mit Leidenschaft bei der Sache sind und Bad Ems auf diese Weise lebenswert(er) machen. Die Chefin der Stadtbibliothek, Frau Lehmann, ist so ein Mensch – und deshalb einen Dank vorweg, dass sie sich gestern Zeit für mich genommen haben, liebe Frau Lehmann! Engagierten Bürgern zuzuhören, bedeutet immer einen Gewinn: Ich habe gestern erfahren, dass in den deutlich zu kleinen Räumlichkeiten der Stadtbibliothek wesentlich mehr los ist, als man denkt. Zirka 60.000 Verleihungen setzt die Bibliothek jährlich um. Übrigens verleiht sie nicht nur Gedrucktes. Unsere Bücherei ist darüber hinaus Mitglied in einem Online-Bibliotheksverbund, der es seinen Kunden ermöglicht, E-Books auszuleihen. Da die Themen Bildung und Digitalisierung für mich als Liberaler natürlich von herausragender Bedeutung sind, begeistert mich das sehr. Unsere „kleine“ Bücherei hat also schon eine innovative Brücke in die digitale Welt geschlagen.

Das ist allerdings längst noch nicht alles. Kinder können hier zum Beispiel Tonies ausleihen. Alle Mütter und Väter wissen, dass diese Hörfiguren dem Nachwuchs nicht nur tolle Geschichten erzählen, bei denen die Kleinen viel lernen. Sie sind leider auch ziemlich teuer – von den Tonieboxen, auf die man die Figuren setzt, ganz zu schweigen. Durch das Angebot der Bibliothek können Eltern – bei nur 12 Euro Jahresmitgliedschaft – also eine Menge Geld sparen und ihren Kindern das Hörvergnügen trotzdem bereiten. Wenn Kinder etwas lernen wollen, sind sie im Rathausgebäude noch aus einem anderen Grund gut aufgehoben. Regelmäßig bieten hier nämlich Abiturienten eine Lese- und Sprachnachhilfe an. Dafür ist lediglich eine minimale Aufwandsentschädigung zu entrichten, die wiederum vom Förderverein übernommen wird.

Also alles wunderbar? Nein! Wegen der Fusion der Verbandsgemeinden Bad Ems und Nassau werden die Räume im Rathaus nun anderweitig benötigt. Frau Lehmann hat schon die Kündigung erhalten. Geplant ist ein Umzug in das Vier-Türme-Haus im Kurpark, dessen Kauf die Stadt plant. Unstrittig handelt es sich hierbei um ein sehr ästhetisches Gebäude in toller Lage, nichtsdestotrotz bereitet mir diese Entscheidung Kopfzerbrechen. Der Kauf und die nötigen Umbauten würden eine erhebliche Neuverschuldung der Stadt Bad Ems bedeuten. Fraglich ist, ob es hierfür keine geeigneteren Lösungen gibt. Meiner Meinung nach sollte man an anderer Stelle einen Leerstand nutzen, der ein besseres Preis-Leistungs- Verhältnis bietet. Das würde auch die Stadt weiter beleben. Hier sehe ich durchaus noch Gesprächsbedarf.

Nun aber zurück vom Frust zur Lust an der Kommunalpolitik: Frau Lehmann sieht in dem unvermeidlichen Umzug der Bibliothek eine Chance. Die jetzigen Räumlichkeiten sind ohnehin viel zu klein, für die Lese- und Sprachnachhilfe ist kaum Platz. Die hoch engagierte Bibliothekschefin hat ein perfektes Konzept erarbeitet, das aus unserer kleinen Bücherei einen Treffpunkt für alle Generationen macht und in dem Kinder, Eltern, Lehrer und Erzieher ihre Medienkompetenz vertiefen können. Geplant ist zum Beispiel ein größeres Lesecafé. Hier sollen die Besucher bei einem Kaffee nicht nur Bücher, sondern auch Zeitungen und

Zeitschriften lesen können. Opa kann sich im Lesecafé mit seinem Enkel zum Brettspiel treffen und Vereine können sich hier regelmäßig präsentieren.

Diese ist allerdings längst nicht die einzige Idee: In einem Spielraum warten Konsolen mit lernfördernden Spielen auf Jugendliche. Für Kinder werden Touchscreens aufgestellt, über die sie Zugang zu vielen Lernspielen erhalten. Das neue Bibliothekskonzept ist also gelebte Digitalisierung. Ich bin begeistert!

Von diesem innovativen und spannenden Konzept können in der Zukunft nicht nur Bad Emser Bürger, sondern auch Touristen profitieren. Um die Attraktivität des Angebots auch für letztere zu erhöhen, werden die Öffnungszeiten angepasst; künftig soll die Bibliothek auch am Wochenende geöffnet sein.

Vor dem Hintergrund einer derart erfreulichen Perspektive für die Zukunft sollte eigentlich jeder Bad Emser Mitglied in unserer Stadtbibliothek werden. 12 Euro Jahresbeitrag sind eine lohnende Investition – nicht nur für Sie, sondern auch für die nächste Generation. Die Stadtbibliothek Bad Ems ist und bleibt sicher ein Treffpunkt für Jung und Alt, an dem jede Besucherin und jeder Besucher auf seine Kosten kommt!